Visionen. Fakten. Momente.

Scheitern – der Keim des Neuen

Mein Beruf ist es, Menschen zu lesen. Ihre Mimik, ihre Gestik, die subtilen Signale ihrer Körpersprache – all das sind für mich offene Bücher. Ich tauche ein in die Tiefen ihrer Augen, lausche den Zwischentönen ihrer Worte und spüre die Wahrheit hinter ihren sorgfältig konstruierten Fassaden. Es ist eine Kunst, die jahrelange Übung und ein tiefes Verständnis der menschlichen Psyche erfordert. Ich muss erahnen, was ihre nächste Reaktion sein wird, um ein Gespräch zu lenken, Verborgenes aufzudecken und die wahren Bedürfnisse, Ängste und auch Lügen zu erkennen.

Diese Fähigkeit zu lehren, ist meine Berufung. Dabei begegne ich immer wieder Menschen, denen es nicht nur an Empathie mangelt, sondern die sich scheinbar gegen jede Form der emotionalen Verbindung sträuben. Und ja, auch ich stoße an meine Grenzen. Es gibt Menschen, die wie undurchdringliche Festungen sind, deren Seelen in undurchsichtigen Labyrinthen verborgen liegen. Doch gerade diese Herausforderungen erinnern mich daran, dass Scheitern ein unabdingbarer Bestandteil jedes Lernprozesses ist.

Ob Arzt, Mechaniker oder Kassiererin – jeder erlebt Rückschläge, Momente der Zweifel und der Niederlage. Wir neigen dazu, Scheitern als Makel zu betrachten, als etwas Beschämendes, das es um jeden Preis zu vermeiden gilt. Doch ich kann Ihnen versichern: Scheitern ist keine Schande. Es ist der Keim des Neuen, des Unvollkommenen, des Harmonischen. Es ist der Schmerz, der uns wachsen lässt, die Narben, die unsere Geschichte erzählen.

Natürlich ist Scheitern mit Scham und Kränkung verbunden. Es hinterlässt Wunden, die tief gehen und lange nachhallen. Doch es ist real und darf nicht verheimlicht oder verdrängt werden. Nur wer seine Niederlagen akzeptiert, kann aus ihnen lernen und gestärkt hervorgehen.

„Wir kommen auf keinen Nenner“ – dieser Satz hallt mir noch immer in den Ohren, wenn ich an jene Momente denke, in denen ich mit Menschen rang, die unfähig oder unwillig waren, meine Wahrheit zu erkennen. Sei es der Geschäftspartner, von dem viel abhingt, ein Freund oder der Partner – die Frustration und die Ohnmacht waren oft überwältigend. Ich habe nächtelange wachgelegen, grübelnd und analysierend, verzweifelt nach meinen Fehlern suchend. Ich habe an meinem Können gezweifelt, an meiner Autorität, an meinem Einfühlungsvermögen.

Doch dann, in einem Moment der Stille und Einsamkeit, erkannte ich: Ich hatte keinen Fehler gemacht. Ich hatte die Situation richtig eingeschätzt. Mein Gesprächspartner hatte mir die Schuld an seinem eigenen Scheitern gegeben, um sich selbst vor der Wahrheit zu schützen.

In solchen Momenten müssen wir für uns selbst einstehen. Wir müssen den Mut haben, die Wahrheit auszusprechen, auch wenn sie unangenehm ist. „Der Businessplan ist schlecht“, „Wir können das Seminar in diesem Rahmen nicht gestalten“, „Ich kann dich momentan nicht ertragen“ – manchmal müssen wir klare Worte finden, um unsere Grenzen zu setzen.

Dabei ist es wichtig, auf unsere Intuition zu hören, auf das Gefühl im Bauch, das uns sagt, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Wut spiegelt keine Lüge wider, Gelassenheit auch nicht. Achten Sie auf Ihre Atmung, verlassen Sie sich auf Ihren Instinkt, auf das, was Ihr Kopf Ihnen sagt.

Wenn Sie das Gefühl haben, auf keinen Nenner zu kommen, tun Sie sich selbst einen Gefallen. Egal wie abhängig Sie von dieser Person sind (finanziell, emotional), ziehen Sie Ihre Grenzen. Jemand, der Sie an sich selbst zweifeln lässt, obwohl Ihre Worte und Ihr Handeln richtig waren, sollte keinen Zutritt zu Ihrer Vision, Ihrem Leben und Ihrer Seele haben. Schützen Sie Ihr innerstes Wesen vor den toxischen Einflüssen anderer.

Scheitern ist nicht das Ende, sondern ein neuer Anfang. Es ist eine Chance, zu wachsen, zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Umarmen Sie das Scheitern als Teil Ihres Lebensweges und lassen Sie es zu Ihrem Verbündeten werden.

Liebe – ein Tanz auf dem Vulkan des Lebens

Und dann ist da noch die Liebe. Sie, die uns mit einer unbändigen Kraft ergreift und uns auf eine Reise mitnimmt, die voller Wunder, aber auch voller Abgründe ist. Die Liebe, die uns auf Wolke sieben schweben lässt, aber auch die Macht hat, uns in tiefste Verzweiflung zu stürzen. Sie ist ein Tanz auf dem Vulkan des Lebens, ein Spiel mit dem Feuer, das uns verbrennen kann, wenn wir nicht achtsam sind.

Gerade als Führungskraft, gewohnt an Kontrolle und Struktur, kann es erschreckend sein, sich der emotionalen Wucht der Liebe hinzugeben. Doch gerade hier liegt die Chance zu wachsen, die eigenen Grenzen zu überschreiten und sich auf etwas einzulassen, das größer ist als wir selbst.

Denn Liebe ist nicht immer leicht. Sie fordert uns heraus, stellt uns auf die Probe und konfrontiert uns mit unseren tiefsten Ängsten und Unsicherheiten. Streit, Eifersucht, Verletzungen – all das sind Schatten, die auch über die sonnigsten Liebesbeziehungen fallen können.

Doch gerade in diesen dunklen Momenten zeigt sich die wahre Stärke der Liebe. Sie ist die Kraft, die uns verbindet, wenn alles andere auseinanderbricht. Sie ist der Fels in der Brandung, der uns Halt gibt, wenn wir den Boden unter den Füßen verlieren. Sie ist das Licht, das uns den Weg weist, wenn wir uns im Dunkeln verirren.

Mein persönlicher Tipp: Pflegen Sie die Liebe wie eine zarte Pflanze. Geben Sie ihr Raum zum Wachsen, gießen Sie sie mit Zuneigung und Achtsamkeit und schützen Sie sie vor den Stürmen des Lebens. Und wenn sie doch einmal verwelkt, geben Sie nicht auf. Mit Geduld, Liebe und Verständnis kann auch die verletztlichste Pflanze wieder aufblühen.

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