Visionen. Fakten. Momente.

Die alltägliche Lüge und ihre Folgen.

Oh, wer kennt sie nicht, diese kleine, flüchtige Lüge, die dir jeden Tag begegnet? Mal flüsterst du sie dir selbst ins Ohr, mal schenkst du sie anderen. „Wie geht es dir?“ – eine Frage, so allgegenwärtig wie die Luft zum Atmen. Und die Antwort? Fast immer ein automatisches „Gut, danke!“, eine Floskel, die die Wahrheit oft wie ein Schleier verhüllt.

Aber warum verstecken wir uns hinter diesen leeren Worten? Ist es die Angst vor der Last der Wahrheit, die uns erdrückt? Wollen wir die rohe, ungeschminkte Ehrlichkeit nicht sehen, diese Fratze, die uns im Spiegel entgegenblickt? „Ehrlich?“, fragen wir uns dann, und flüchten uns in die bequeme Ausrede: „Ach, das ist doch nur eine Floskel!“

Doch diese Floskeln sind tückisch. Sie bauen Mauern zwischen uns, ersticken die Verbindung zu uns selbst und zu anderen. Lass mich dir zeigen, warum Ehrlichkeit – so schmerzhaft sie manchmal auch sein mag – der Schlüssel zu einem erfüllten Leben ist.

Als Arbeitgeber

Du fragst deinen Arbeitnehmer bei einer Begrüßung, und die Antwort ist die, die wir erwarten: „Gut“. Weißt du, ob nicht genau dieser gerade die Nacht mit seinem Partner durchgestrichen hat aus Gründen, die dich nichts angehen? Zerbricht er sich den Kopf wegen finanzieller Probleme? Treiben seine Kinder ihn in den Wahnsinn oder, schlimmer noch, haben sich alle Register der neuen Talahon-Bewegung angeschlossen?

Und die schwerwiegendere Frage ist: „Würdest du es überhaupt hören wollen? Möchtest du so etwas wissen?“

Ja, das ist ein Grad, eine Kluft, die zwischen euch beiden liegt eigentlich schon seit Anbeginn des Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnisses.

Erwartest du jetzt von mir, dass ich dir philosophische Ratschläge aus dem Kalender gebe und esoterisch versuche, dir den Einklang mit deinem inneren Kind zu klären, bevor du einen neuen Ansatz probierst?

Nein…

Ich kann dir einen Ratschlag geben aus dem realen Leben. In meiner beruflichen Laufbahn war ich unter anderem für mehrere Abteilungen zuständig, und es war bei mir gute Sitte, ohne Ausnahme, dass ich, wenn ich ins Haus kam, in jede Abteilung gegangen bin und jedem persönlich Hallo gesagt habe und die, die ich nicht angetroffen habe, bei zufälligen Begegnungen. Mein Satz war grundsätzlich: „Hey, wie geht’s dir heute?“ Ich habe am Anfang die Standardantwort erhalten und war damit zufrieden, denn ich habe es angeboten, mir etwas mitzuteilen. Das Interessante ist, dass nach ca. 2 Wochen aber die ersten Mitarbeiter sagten: „Danke gut, und selbst?“ und da ist dieser Knackpunkt. Glaub mir, dass die Mitarbeitenden sich in der ersten Woche wahrscheinlich darüber bei der Zigarettenpause oder bei Zusammenkünften lustig gemacht haben, aber diese Wiederholung ermüdet sie oder spornt sie genau dazu an herauszufordern, aus dem einfachen Grund, ihr moralischer kleiner Zwerg steht in ihrem Kopf und schreit: Teile deinem Chef nichts Persönliches mit!

Also was habe ich getan?

Die Wahrheit: Es geht, ich habe schlecht geschlafen! (war auch die wirkliche Wahrheit) Und dann geschehen Symbiosen, die dir vielleicht nicht bekannt sind – sie wiederholen diesen Akt und teilen wirklich ihr Empfinden mit, auch die guten – mir geht’s sehr gut, ich habe gestern noch den Bericht von XXX gelesen und sehe da Fortschritte – und so weiter. Sie müssen keinen persönlichen Ansatz finden wie „mein Partner hat mich in den Wahnsinn getrieben“ oder „mein Sohn ist jetzt Youtuber und das Finanzamt steht vor der Tür…“ nein, ihre Emotion ist ungebunden, Punkt aus, keine Weisheit des Buddha.

Du wirst sehen, dass genau Folgendes passiert: Auch nun werden Emotionen dir mitgeteilt, und jetzt kommt es darauf an, merk dir das sehr gut: „Mein Auto ist kaputt. Meine Tochter hat Fieber. Ich freue mich auf einen Ausflug.“

Ja, dann kommst du ins Haus und fragst in diesem Moment ab: „Geht es deiner Tochter wieder besser?“

Durch diese kleinen Geständnisse entstand eine ganz neue Atmosphäre im Team. Die Mitarbeiter fühlten sich gesehen und verstanden. Und ich als Chef hatte die Möglichkeit, auf ihre Bedürfnisse einzugehen.

Ehrlichkeit und Vertrauen sind die Fundamente einer gesunden Arbeitsbeziehung. Sie schaffen ein Klima des Respekts, der Wertschätzung und der Zusammengehörigkeit. Und sie beginnen mit einer einfachen Frage: „Wie geht es dir?“ – ehrlich gemeint und mit dem Herzen gestellt.

Im Privatleben

Stell dir vor, die Welt hält den Atem an. Kein Handy klingelt, kein Fernseher flimmert, kein Computer surrt. Du sitzt deinem Partner gegenüber, dein Blick ruht auf seinem Gesicht, und du fragst: „ich möchte, dass du ganz ehrlich zu mir bist… wie geht es dir wirklich?“

In diesem Moment zählt nur ihr beide. Die Welt draußen mit ihrem Lärm und ihrer Hektik verschwindet.

Vergiss die Oberflächlichkeit des Alltags, die Floskeln, die leeren Worte. Hier und jetzt geht es um die Wahrheit, um die nackte, ungeschminkte Wahrheit. Es geht um die Verbindung zweier Seelen, die sich öffnen, die sich zeigen, die sich lieben.

Nimm dir die Zeit, wirklich zuzuhören. Lass deinen Partner spüren, dass du da bist, dass du ihn verstehst, dass du ihn liebst. Denn in diesen Momenten der Ehrlichkeit und Vertrautheit schweißt ihr euch zusammen, stärker als je zuvor.

Die Liebe ist ein kostbares Geschenk. Pflege sie, schütze sie, nähre sie mit Ehrlichkeit und Vertrauen. Denn sie ist das Fundament eures gemeinsamen Lebens, die Quelle eures Glücks und bedenke deinen Arbeitgeber kannst du mal wechseln einen liebenden Partner nicht.

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