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EIN UNIVERSUM FÜR SICH

„Rückhalt und Klärung mit der Familie“. – dieser Satz, der auf dem Seminar von Michael Ohnesorge wie beiläufig auf einem Flipchart erschien, geht mir seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf. Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Bedeutung gewinnt er für mich.

Es war eine unglaublich inspirierende Woche. So viele faszinierende Menschen, alle auf der Suche nach neuen Wegen, nach Veränderung, nach Sinn. Manche von ihnen in Beziehungen, manche Single, aber alle vereint in dem Wunsch nach persönlichem Wachstum. Und natürlich gab es viele spannende Diskussionen, viele wichtige Fragen, die wir gemeinsam beleuchtet haben. Fragen, die uns beruflich herausfordern, aber auch persönlich berühren.

Und dann, mitten in diesem Trubel aus Ideen und Austausch, tauchte plötzlich diese Frage auf: „Rückhalt und Klärung mit der Familie“.

Eine Frage, die mich – und sicher auch viele andere – mitten ins Herz getroffen hat.

Wie viel Rückhalt erfahren wir eigentlich? Gibt es diesen einen Menschen, diesen sicheren Hafen, an dem wir nach einem anstrengenden Tag ankommen und einfach wir selbst sein dürfen? Ohne Maske, ohne Fassade, ohne die Last der Verantwortung?

Gibt es jemanden, der uns wirklich zuhört, ohne zu urteilen? Der uns die Last abnimmt, die Wut, die Zweifel, die Ängste?

Brauchen wir das überhaupt?

Ich kenne viele Manager, die funktionieren wie Maschinen. Perfekt, effizient, unantastbar. Keine Emotionen, keine Zweifel, keine Schwäche. Alles wird mit sich selbst ausgemacht.

Ich selbst gehöre auch dazu.

Ich teile meine Sorgen und Zweifel mit niemandem. Vertraulichkeit ist in meinem Beruf oberste Pflicht. Die Geschichten meiner Klienten, ihre Sorgen, ihre Ängste – all das trage ich mit mir herum, verschlossen hinter einer Mauer des Schweigens. Kein persönliches Detail, kein Hinweis auf die Charaktere meiner Klienten darf nach außen dringen.

Aber manchmal fühlt sich diese Last so unendlich schwer an. Die Gedanken kreisen, die Anspannung sitzt tief in den Schultern, und der Schlaf will einfach nicht kommen.

Wie werde ich sie los, ohne jemanden zu verraten? Ohne meine moralische Verpflichtung zu brechen?

„War heute nicht so gut“ – reicht das wirklich?

Ich habe meinen eigenen Weg gefunden, um mit dieser Last umzugehen. Musik auf den Ohren, abschalten, die Welt ausblenden. Ein stiller Rückzug in mein inneres Universum. Lange Spaziergänge, bei denen ich meine Gedanken sortieren kann. Oder ein intensives Workout, bei dem ich meine Energie rauslassen kann.

Aber mein wichtigster Rückzugsort, mein wahrer sicherer Hafen, sind meine Pferde.

Wenn ich den Stall betrete und den Duft von Heu und Pferden einatme, wenn ich die weichen Nüstern an meiner Hand spüre und das tiefe Vertrauen in ihren Augen sehe, dann fällt alle Anspannung von mir ab.

Dann bin ich einfach nur ich selbst, ohne Rolle, ohne Verantwortung, ohne die Last der Welt auf meinen Schultern.

Die Pferde fragen nicht nach meinen Sorgen, sie wollen keine Lösungen hören, sie erwarten keine Erklärungen. Sie nehmen mich einfach an, so wie ich bin.

Mit ihnen kann ich schweigen, ohne dass es peinlich wird. Mit ihnen kann ich lachen, ohne einen Grund dafür zu haben. Mit ihnen kann ich einfach sein.

Sie sind meine Therapeuten, meine Vertrauten, meine Freunde. Sie helfen mir, die Balance zu finden, die ich in meinem Alltag so oft vermisse.

Und wenn ich dann doch das Bedürfnis habe, mich mitzuteilen, dann wende ich mich an meine Freunde, meine Kollegen, meine Familie. Ich erzähle ihnen von meinem Erlebnis mit dem Hirsch im Wald auf dem Heimweg, der plötzlich vor mir auftauchte und mich mit seiner Anmut und Stärke beeindruckte. Von dem fürchterlichen Kaffee in der Kantine, der so bitter schmeckte, dass ich ihn kaum herunterbekam. Von dem Witz meines Kollegen, den ich nicht verstanden habe, aber trotzdem gelacht habe – vielleicht ein bisschen zu übertrieben, um nicht unhöflich zu wirken. 😉

Kleine Geschichten, die nichts verraten, aber trotzdem zeigen, dass es nicht immer leicht ist. Dass auch ich meine Schwächen habe, meine Zweifel, meine Momente der Unsicherheit.

Und hier kommt der Punkt, an dem ich merke, dass „Rückhalt“ viele Formen annehmen kann. Es muss nicht immer der Partner, die Partnerin sein, die diesen sicheren Hafen bietet. Es können Freunde sein, die Familie, Kollegen, oder auch Menschen, die man über gemeinsame Interessen kennt.

Es geht darum, Menschen zu finden, die einem zuhören, ohne zu urteilen. Die einen unterstützen, ohne einen zu bevormunden. Die einen sehen, ohne sich selbst in einem zu spiegeln.

Menschen, die einem den Raum geben, den Jorge Bucay in seinem Gedicht „Ich will“ so treffend beschreibt: „Ich will, dass du mir zuhörst, ohne über mich zu urteilen… Ich will, dass du mir hilfst, ohne für mich zu entscheiden… Ich will, dass du für mich sorgst, ohne mich zu erdrücken… Ich will, dass du mich siehst, ohne dich in mir zu sehen…“  

Es geht darum, sein eigenes Universum zu sein, mit all seinen Geheimnissen und Schattenseiten. Und gleichzeitig Teil eines größeren Universums zu sein, in dem man sich geborgen und verbunden fühlt.

Die Arbeit ist ein Universum für sich. Mit eigenen Regeln, eigenen Herausforderungen, eigenen Geheimnissen, die ich mit niemandem teilen kann.

Und dann gibt es noch mein anderes Universum. Das Universum meiner Freunde, meiner Familie, meiner Beziehungen. Und das Universum meiner Pferde, die mir so viel geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.

Ein Universum, in dem ich ich selbst sein kann, ohne Fassade, ohne Druck.

Vielleicht ist es genau das, was wir alle brauchen. Diese verschiedenen Universen, die sich ergänzen und bereichern. Die Arbeit, die wir bewältigen müssen. Und die menschlichen Verbindungen, die uns Kraft und Geborgenheit geben.

Ein Ort, an dem wir wir selbst sein dürfen.

Es gibt da diese Frau, die mein Herz berührt wie keine andere. Ihre Kraft und ihr Lächeln faszinieren mich, und ich empfinde eine tiefe Zuneigung für sie. Es ist ein schönes Gefühl, sich so zu jemandem hingezogen zu fühlen. Dabei ist mir bewusst geworden, dass die Fähigkeit zu lieben ein Geschenk ist, unabhängig davon, ob diese Liebe erwidert wird. Es ist mein eigenes Bedürfnis zu lieben, das mich erfüllt und mein Leben bereichert.

Und drei kleine wunderbare Menschen die mein Leben mit Sinn erfüllen. Die mich jeden Tag aufs Neue lehren, was wirklich wichtig ist im Leben.

Ihr alle, zusammen, ihr seid mein Zuhause. Ihr seid mein Universum.


Empfehlung:

Der ausgebildete Businesscoach Michael Ohnesorge bietet Seminare und individuelle Beratung in den Bereichen Existenzgründung, Rhetorik, Kommunikation und Selbst- und Zeitmanagement an.

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