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statussymbole – Mein erstes Auto: Ein knallroter Liebesbeweis an die Werkstatt – und meine finanzielle Naivität

Lena meinte, ich solle mich mal an diesem Thema abarbeiten. Tja, was soll ich sagen? Das erste, was mir einfiel, war mein erstes Auto. Ein feuerroter Mercedes C-Klasse, Automatik – natürlich. Ein Traumwagen? Nun ja, eher ein fahrbarer Beweis dafür, dass man auch mit einem Hochschulabschluss unfassbar dämliche Entscheidungen treffen kann. Rückblickend hätte ich das Geld besser in einen lebenslangen Vorrat an Tiefkühlpizza investiert – hätte länger satt gemacht und wäre wahrscheinlich wertstabiler gewesen.

Damals, in meiner „Ich-bin-jetzt-erwachsen-und-unbesiegbar“-Phase (die etwa 24 Stunden anhielt, bevor die Realität mich mit einem Vorschlaghammer begrüßte), war dieses Auto mein ein und alles. Gebraucht, wohlgemerkt – ich war ja nicht komplett verrückt (nur fast). Mein großes Ziel: Einmal lässig bei den Nachbarn vorfahren, den imaginären Hut ziehen und ein stummes „Guck mal, Günther, ich hab’s zu was gebracht!“ in die Welt hinausposaunen. Günther sollte vor Neid erblassen – und ich mich vor Stolz aufblasen.

Was Günther und der Rest der Nachbarschafts-Safari nicht wussten: Kurz nach dem Kauf flatterte mir ein Brief vom Finanzamt ins Haus. Ein Steuervorauszahlungsbescheid, der so hoch war, dass er meinen Kontostand in den freien Fall schickte. Mein Speiseplan bestand fortan aus der erlesenen Kombination von Discounter-Chips und Margarine (die Sorte, die wahrscheinlich mehr Chemie als Fett enthält). Mein Mercedes? Ein glänzendes Symbol für meine finanzielle Misere – ein teures Accessoire für meinen neuen Lebensstil als unfreiwilliger Minimalist.

Und hier wird’s philosophisch, meine Freunde – Achtung, es folgt eine Prise Generationen-Bashing (mit Augenzwinkern, versteht sich): Ich bin Generation Y. Wir sind doch die, die alles besser wissen, die Welt retten wollen und angeblich total reflektiert sind. Aber mal ehrlich: Wenn ich mir anschaue, was in den sozialen Medien so abgeht, dann frage ich mich, ob wir wirklich so viel schlauer sind als die Generationen Z und Alpha, die nach uns kommen.

Da gibt’s den 19-jährigen „Lebenscoach“ mit dem Dauergrinsen, der dir in fünf Minuten die Welt erklärt, bevor er in seinen geleasten (oder von Papi gesponserten) AMG steigt und davonbraust. Oder die junge Dame, die ihren Körper als Leinwand für Schönheits-OPs nutzt und behauptet, mit OnlyFans ein Vermögen zu verdienen – natürlich nur, um sich davon die neueste Designer-Handtasche zu kaufen (die sie dann stolz in die Kamera hält, als wäre es die Lösung aller Weltprobleme). Ist das die Freiheit, von der alle reden? Oder ist das eine gigantische Reality-Show, bei der wir alle mitspielen, um uns gegenseitig zu beeindrucken – und uns dabei selbst belügen?

Und dann haben wir noch die „Super-Mamis“ auf Instagram, die ihre Kinder in Klamotten kleiden, die mehr kosten als meine Monatsmiete, und ihnen ausschließlich Bio-Superfood-Brei füttern (der wahrscheinlich nach gemahlenem Einhorn schmeckt). Und dann, großzügig wie sie sind, teilen sie einen Rabattcode für all diesen überteuerten Kram mit ihren Followern. Sind wir wirklich so leicht zu ködern? Brauchen wir den neuesten SUV, um uns wie ein ganzer Kerl zu fühlen? Brauchen wir das neueste Smartphone, das mehr kann als unser Gehirn, nur um dazuzugehören?

Ich war auch mal so ein Depp. Ich erinnere mich an den Kellner, dem ich ein Trinkgeld gab, das wahrscheinlich seinen Stundenlohn überstieg. Nicht, weil er so unglaublich freundlich war (er war okay), sondern weil ich wollte, dass er mich beim nächsten Mal wie einen König behandelt – oder zumindest wie jemanden, der genug Geld hat, um sich königlich behandeln zu lassen. Peinlich? Absolut.

Und dann kam die Erleuchtung – in Form eines Videos. Ein kleines Kind, irgendwo in der großen, weiten Welt, wünschte sich zu Weihnachten eine Kartoffel. Eine verdammte Kartoffel! Und als es sie bekam, strahlte es eine Freude aus, die ehrlicher war als alles, was ich je in einem Werbespot für Luxusautos gesehen habe. Dieses Video hat mich geerdet. Es hat mich daran erinnert, dass man für echtes Glück keinen Kontostand im siebenstelligen Bereich braucht.

Wir Alten sollten den Jungen ja eigentlich was beibringen, oder? Aber was leben wir ihnen vor? Eine Welt, in der „Schein“ mehr zählt als „Sein“, in der Konsum zum Lebensinhalt wird. Vielleicht sollten wir ihnen mal erklären, dass ein BMW nicht nur aus glänzendem Blech besteht, sondern auch aus Arbeitsstunden, Ressourcen und einem CO2-Fußabdruck, der größer ist als mein ökologisches Gewissen. Dass Steuern nicht nur lästige Abgaben sind, sondern auch unsere Schulen, Straßen und Krankenhäuser finanzieren.

Vielleicht, aber nur vielleicht, könnten wir ihnen beibringen, dass man eine Designer-Handtasche oder einen Sportwagen auch dann genießen kann, wenn man sie sich ehrlich verdient hat – und nicht, um andere zu beeindrucken oder eigene Unsicherheiten zu übertünchen. Das wäre doch mal was, oder? Eine Welt, in der wir nicht mehr versuchen, Günther zu beeindrucken, sondern einfach nur ehrlich glücklich sind. Mit oder ohne Kartoffel. Und mit oder ohne Mercedes. Wobei, ganz ehrlich, so ein bisschen knallrot…

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